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Auto-Tune: Eine Software wird zum Markenzeichen

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Auto-Tune: Eine Software wird zum MarkenzeichenAuto-Tune ist eine Software, die Tonhöhen automatisch korrigieren kann. Erfunden wurde sie von dem Mathematiker und Geophysiker Andy Hildebrand, der eine Zeit lang Bodenmessungen für Ölkonzerne vorgenommen hatte und schließlich im Musikbusiness tätig wurde. Mit der stark überhöhten Tonhöhenkorrektur in Cher’s Hit „Believe“ wurde Auto-Tune bekannt und auch „Cher-Effekt“ genannt.

So funktioniert Auto-Tune

Kaum zu glauben, aber dieses Jahr wird Auto-Tune bereits 20 Jahre alt. Aber was macht Auto-Tune eigentlich?

Das Programm wertet die Tonhöhe eines einstimmigen Audiosignals, meistens Gesang, prüft, inwieweit die entdeckte Frequenz vom nächsten akkuraten Halbton entfernt ist und ‚pitcht‘ das Signal nach Bedarf auf die korrekte Tonhöhe.

Damit der Eingriff in das Audiomaterial überschaubar bleibt und das Resultat möglichst ungekünstelt klingt, kann die Korrektur auf ausgewählte Tonhöhen eingegrenzt werden, sodass abweichende Töne nur um einen gewissen Anteil verbessert werden. Da die Software Schwingungen auf regulierte Tonhöhen glättet oder diese sogar ganz eliminiert, lassen sich umgekehrt auch künstliche Schwingungen erzeugen.

Außerdem kann die Geschwindigkeit, mit der das Signal auf die richtige Frequenz korrigiert wird, verändert werden. Bei einer sehr hoch eingestellten Geschwindigkeit entstehen gurgelnde, mechanisch klingende Tonsprünge, die teilweise absichtlich eingesetzt werden, wie beispielsweise bei Snoop Dogg’s „Sensual Seduction“.

Auto-Tune als Markenzeichen

Neben Snoop Dogg hat der Rapper T-Pain Auto-Tune zu seinem Markenzeichen gemacht, da er es geradezu exzessiv für seine Songs verwendet. Aber auch Kanye West oder Lil Wayne haben Auto-Tune als Spielzeug für sich entdeckt.

Schon kurz nach der Erfindung fiel Auto-Tune schnell in Ungnade und wurde stark kritisiert: Es sei eine Art „Photoshop für die Stimme“ und der „Pinsel für untalentierte Künstler“.

Einige Musiker, darunter Christina Aguilera, Jay Z und Michael Bublé sprachen sich ausdrücklich gegen Auto-Tune aus. „Death of Auto-Tune“ rappte Jay Z, doch keiner der Künstler kam um die Nachbearbeitung mit Auto-Tune herum.

Das Musikinstrument des 21. Jahrhunderts

Auto-Tune wurde nahezu zum Trend, respektive zur Pflicht, in der Popmusik der vergangenen Jahre und bestimmte die Top Ten der Hip Hop- und R&B-Charts neu. Deshalb stellt sich die Frage: Ist Auto-Tune wirklich etwas Schlechtes?

Ziehen wir etwa „One more time“ von Daft Punk als Exempel heran: Das französische Duo bewies mit seinem Nummer Eins Hit, dass Auto-Tune gute Songs noch ein Stück besser machen kann. Über vier Millionen Käufe der Single bestätigen das.

Der Erfolg des veröffentlichtes Album „808S & HEARTBREAK“ von Kanye West im Jahr 2008 besiegelte die endgültige Akzeptanz von Auto-Tune. Mit seinem Album demonstrierte der Rapper, wie Auto-Tune anzuwenden ist: Als Stil- und nicht als Hilfsmittel.

Auto-Tune gekonnt einsetzen

Die Zweckentfremdung von Auto-Tune durch T-Pain, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen, ist sicher nicht im Sinne des Erfinders gewesen, zeigt jedoch, wie vielseitig das Programm sein kann. Es ist nicht nur dafür da, die Musik perfekt und normal klingen zu lassen, sondern kann auch zum Experimentieren eingesetzt werden. Der roboterähnliche, übersteuerte Klangeffekt lässt die Musik vor allem auch futuristisch erscheinen.

Mittlerweile ist Auto-Tune auch in anderen Genres angekommen, so zum Beispiel im Folk, denn Bon Iver, Poliça oder Lambchop verwenden es ebenfalls bei der Musikproduktion zur Nachbearbeitung. Was nicht überraschend ist, denn Bon Iver hat zwar eine sehr hohe Kopfstimme und eine tiefere Bauchstimme, aber wie unter anderem im Lied „Hinnom“ zu hören ist, klingt keine normale menschliche Stimme so „übernatürlich“, fast schon sphärisch.

Kein Zeichen für fehlendes Talent

Entgegen aller kritischen Annahmen ist Auto-Tune also kein Zeichen für fehlendes Talent. Genau genommen hat Auto-Tune bzw. die Tonhöhenkorrektur bevor es die Software gab, schon eine längere Geschichte: In seinem Buch „Uproot: Travels in 21st-Century Music and Digital Culture“ zeigt Jace Clayton, dass schon die Berber in Marokko ihre Songs bearbeitet haben.

Darüber hinaus waren auch das Rai-Genre in Nordafrika sowie muslimische Betgesänge von Korrekturen und Nachbearbeitung betroffen.

Die Reihe hochrangiger Künstler, die Auto-Tune verwendet haben, beweist, dass man trotz Auto-Tune noch Talent, Kreativität und Authentizität haben muss, um erfolgreich zu sein. Es ist kein Ersatz für ein Gespür für Harmonie, Melodie oder die Begabung, Hooks zu verfassen.

Musik-Legenden wie 2Pac, Michael Jackson, Stevie Wonder oder Prince würde man wohl kaum vorhalten, nicht singen zu können. Wer schon einmal auf einem Live-Konzert von Lady Gaga war, weiß, dass sie eine großartige Stimme hat, obwohl ihre Hits „Pokerface“ und „Paparazzi“etc. nachbearbeitet wurden – weil es in das Pop-Schema passt.

Auto-Tune hat, nebenbei bemerkt, noch etwas anderes geschafft: Nämlich den Minimalkonsens für Popmusik von allen Kontinenten zu realisieren. So unterschiedlich die Menschen auch sein mögen, gut singen will jeder.

Professionelles Sounddesign von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

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Autor: Lisa Sendelbeck

Seit Oktober 2016 unterstütze ich das Team der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg als Produzentin im Bereich Radiowerbung, Sounddesign und Audiomarketing. Auf dem Blog der P&P Studios berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen in der Audio-Welt und präsentiere neue Entdeckungen.

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