P&P Studios Blog

Die Geräusche der Großstadt

Hinterlasse einen Kommentar

Die Geräusche der GroßstadtDas Rauschen des Verkehrs, Autohupen, die einfahrende Bahn, das klackende Ampelsignal für Blinde – die Bewohner von Großstädten sind Tag für Tag einer Geräuschkulisse ausgesetzt. Die Geräuschteppiche werden meist zur Gewohnheit, dennoch können sie Stress auslösen. Um dem entgegenzuwirken, ist das Sounddesign nun auch im urbanen Raum angekommen.

Was Sounddesign ist und wo es überall eingesetzt werden kann, haben wir schon einmal in einem Blogbeitrag behandelt. Sounddesign für Filme, Theater, Industrie oder Computerspiele – klingt plausibel, aber Sounddesign für Städte?

Man könnte es auch als Audiobranding, Umgebungsdesign oder Audiomarketing bezeichnen, das dazu dient, Gebiete, die normalerweise einfach nur laut oder nur leise wären, mit Klängen zu untermalen. In erster Linie sollen die erzeugten Klänge anlocken, abweisen, informieren oder animieren.

Jede Stadt hat ihren eigenen Klang, sei es Frankfurt, das durch die Geräusche der startenden Flugzeuge geprägt ist, oder Vancouver, das durch seine Nähe zum Pazifik ein anderes Rauschen als den üblichen Verkehrslärm hat.

Urban Sounddesign in U-Bahnhöfen

Die häufigste Art von urbanem Sounddesign kennt man in U-Bahnhöfen, zum Beispiel die Haltestelle „Münchner Freiheit“, an der man zu klassischer Musik auf die nächste U-Bahn wartet. Der Hintergedanke hierzu war, dass die klassische Musik beruhigen und entspannen soll, um so beispielsweise aggressivem Verhalten gegenzulenken.

Auch die Pariser Verkehrsbetriebe haben ihren ganz eigenen Stil, was das Sounddesign betrifft: Im beeindruckend großen Umsteigebahnhof Châtelet – Les Halles soll „eine individualisierte Begleitmusik“ die Fußgänger beim Laufen durch die Gänge vorwärtstreiben, in der Metrostation Opéra machen Applaus und zarte Melodien, die aus Lautsprechern entlang des Laufbands dringen, Vorfreude auf die Pariser Oper, und an den Stationen der Linie 1 werden die Fahrgäste mit Grillenzirpen vor dem Abstand zwischen Zug und Bahnsteigkante gewarnt.

Da es vor gut 15 Jahren tatsächlich noch Grillen in den Pariser U-Bahnstationen gab, ist diese Idee gar nicht so abwegig. Das Zirpen bewegt die Wartenden, den Blick nach unten zu richten, sodass diese den Sicherheitsstreifen bemerken.

Das erste Akustikdesign der Pariser Metro wurde bereits 1990 entwickelt, bei dem Navigo-Pass (dem elektronischen Wochen- bzw. Monatsticket), der eine eigene Erkennungsmelodie hatte sowie verschiedene Melodien für gültige oder abgelaufene Tickets sowie den letzten Gültigkeitstag der Tickets. An der Umsetzung waren ein Komponist, ein Tontechniker und eine Psychosoziologin beteiligt.

Tongestaltung im öffentlichen Raum

Zuerst war Sounddesign im öffentlichen Verkehr hauptsächlich für Blinde gedacht, zum Beispiel das (je nach Stadt) klackende oder piepende Ampelsignal. Heutzutage jedoch wird Sounddesign für alle gemacht: In den Straßenbahnen von Paris werden die Haltestellen bei Flut von einer Frauenstimme und bei Ebbe von einer Männerstimme angesagt. Die Idee dafür stammt vom Akustikdesigner Michel Redolfi. Im Montsouris-Park ließ der Künstler Christian Boltanski unter insgesamt zehn Bänken kleine Lautsprecher befestigen, aus denen geflüsterte Liebesbotschaften in verschiedenen Sprachen ertönen.

Ein weiteres Sounddesign-Beispiel, für das wir gar nicht bis nach Paris müssen, finden wir hier, im Parkhaus der Regensburger Arcaden: Dort werden beruhigende Naturklänge und Vogelgezwitscher in einer sanften Melodie durch alle Parkebenen getragen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Musik ähnlich wie an der U-Bahnstation Münchner Freiheit wirken soll.

Sounddesign ist nicht nur im öffentlichen Verkehr oder in Parkhäusern zu finden, sondern auch in Kaufhäusern oder Restaurant-Ketten. Die Musik in Kaufhäusern und Bekleidungsgeschäften zielt darauf ab, die Kunden zum Bleiben und Kaufen zu bewegen.

Bei Fast-Food-Ketten wie McDonald’s laufen nicht ohne Grund die Charts rauf und runter: Die Kunden sollen zum schnellen Konsumieren animiert werden und eine schrille Frequenz, die Moskitos simuliert, wird an den Eingangstüren eingesetzt, um Jugendliche davon abzuhalten, vor dem Restaurant rumzulungern.

Sounddesign als Marketinginstrument

In einer Marketingaktion des VW-Konzerns wurden die Treppenstufen neben der Rolltreppe einer Stockholmer U-Bahnstation in ein Piano verwandelt, was für den Spaßfaktor der Passierenden sorgte und nebenbei noch gesundheitsfördernd wirkte.

Auch die Lieferkette „Domino’s“ hat das Sounddesign für eine clevere Marketingmaßnahme eingesetzt: In den Niederlanden haben die Elektroroller der Pizzaboten einen sogenannten „Safe Sound“ verpasst bekommen, in dem eine menschliche Stimme das Motorenbrummen imitiert und alle paar Sekunden „Domino’s“ ruft.

Das Café Luitpold in München erstellte, in Zusammenarbeit mit einem Komponisten, sogar extra Klangszenen für die Wiedereröffnung. Mit allerhand Software und Interfaces entstanden entweder belebende Sounds für die Morgenstunden oder entspannende Lounge-Sounds für den Abend.

Die populäre Modemarke Abercrombie & Fitch ist bekannt dafür, dass in den Läden quasi „Clubatmosphäre“ herrscht: Es ist dunkel, die Klamotten werden von Scheinwerfern angestrahlt und manche der Verkäufer scheinen nur dafür angestellt worden zu sein, um gut auszusehen und ein bisschen rumzutanzen – auch das wurde zum Markenzeichen des Labels.

Reduzierung von akustischem Stress

Darüber hinaus kann Sounddesign helfen, Stress zu verringern, der durch Verkehrslärm verursacht wird. Die WK-Potenzial-Initiative „SONETT – SOund NETzwerk IT“ im Raum Berlin Brandenburg beschäftigt sich zum Beispiel mit folgenden Fragen:

  • Wie kann die Akustik unserer Städte zukünftig gezielt konzipiert werden?
  • Wie kann mit Hilfe von systematischer Tongestaltung der emotionale Einfluss von Klängen und Geräuschen effektiv eingesetzt und damit die Lebensqualität nachhaltig verbessert werden?
  • Wie kann man dem Lärm begegnen und die vielen Mikrostressoren des akustischen Alltags dämpfen?

Die Grundidee ist gar nicht mal so neu: Schon früher wurden in den Gärten von Villen Brunnen aufgestellt oder große Buchsbaum-Hecken gepflanzt, um den Lärm der Umgebung einzudämmen.

Heutzutage gestaltet sich das Ganze schon schwieriger, denn wir können nicht überall Brunnen oder Hecken aufstellen. Die hörbezogene Arraysignalverarbeitung hilft, den Schall sichtbar zu machen und gestattet die Fokussierung auf die Schalleigenschaften, die das subjektive Hörerleben und Tonempfinden abgrenzen. Diese neue Art „Synthese“ von Bild und Ton kann Schallqualität noch wirkungsvoller gestalten.

Bis sich Geschäfte, Hotellobbys oder Messehallen & Co. gänzlich in längerfristig realisierte Klanglandschaften verwandelt haben, wird allerdings noch eine Weile vergehen.

Professionelles Sounddesign von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

Advertisements

Autor: Lisa Sendelbeck

Seit Oktober 2016 unterstütze ich das Team der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg als Produzentin im Bereich Radiowerbung, Sounddesign und Audiomarketing. Auf dem Blog der P&P Studios berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen in der Audio-Welt und präsentiere neue Entdeckungen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.