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Vom Stummfilm zum Tonfilm

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Vom Stummfilm zum TonfilmDie früheren Kinofilme waren zu Beginn immer Stummfilme – was aber nicht bedeutete, dass gar kein Ton zu hören war, denn begleitet wurden die Filme oft von Klaviermusik oder später von einem Orchester. Auch eine sogenannte „Kino-Orgel“ wurde speziell für die Begleitung von Stummfilmen entworfen. Zudem gab es Erzähler, die die Handlung nebenbei erklärten oder ihren Kommentar dazu abgaben.

Am Anfang war kein Wort

Die Geschichte des Kinos weist einige Veränderungen der Denkmuster und Wendepunkte auf: So wurde das Kino, anfangs noch eine Attraktion, zu einer erzählerischen Kunstform. Auch die Entstehung und der Niedergang des Studiosystems, der Ansatz des Autorenfilms sowie Technicolor, Cinemascope, Dolby Surround oder die Digitalisierung trugen längerfristig zum Wandel bei.

Da die Schauspieler der Stummfilme eine übertriebene, unnatürlich wirkende Mimik und Gestik zur Schau stellten, um die Geschichte zu erzählen, entstand mit der Zeit der Wunsch, die Filme nicht nur mit musikalischer Begleitung, sondern auch mit gesprochenem Ton zu realisieren.

Das Grammophon war gerade erst erfunden worden, also bot es sich an, das Gerät mit den Filmen zu koppeln und so einen Tonfilm zu produzieren. Dieser Versuch wurde zuvor schon um die Jahrhundertwende vom deutschen Filmpionier Oskar Messter mit Hilfe seines „Biophons“ unternommen, das er 1903 zum Patent anmeldete.

Jedoch traten einige Probleme auf: Die Plattenlänge von drei Minuten schränkte die Filmlänge ein (was schließlich durch einen Plattenwechsler behoben wurde) und es gab damals noch keine Verstärker. Somit war die Lautstärke noch ziemlich schwach. Leider konnte sich die Erfindung deshalb nicht etablieren und blieb lediglich eine kinematografische Episode.

Dafür wurde der Filmpionier für die Erfindung des Malteserkreuzes bekannt, das den optimalen Filmtransport im Projektor sicherstellte. Messter, der als Filmproduzent die junge Schauspielerin Henny Porten entdeckte, besaß außerdem ein eigenes Filmatelier und drehte die ersten deutschen Wochenschauen, bis seine Firma schließlich 1919 in die neugegründete UFA überging.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die Konkurrenz, die sich aus Hans Vogt, Joseph Massolle und Jo Engl zusammensetzte, tüftelte 1910 an einem speziellen Tonkonservierungsverfahren herum: Dem Lichttonverfahren, das sie „Tri-Ergon“ (Werk der drei) nannten. Die drei zeigten ihre ersten Filme am 17. September 1922 im Berliner Allhambra-Kino, wodurch sie das Interesse der UFA auf sich zogen, die sie samt ihrer Erfindung unter Vertrag nahm.

Das Experiment wurde allerdings ad acta gelegt, als die erste Aufführung des UFA-Films „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ im Dezember 1925 zur Katastrophe wurde, da der Ton immer leiser wurde, bis nur noch ein Krächzen aus dem Lautsprecher ertönte.

Kurz darauf war die US-amerikanische Gesellschaft Western Electric schon einen Schritt weiter, indem sie gleich zwei geeignete Lichttonverfahren erfand, nämlich das das Movietone-System (Lichtton) für Fox und das Vitaphone-Verfahren (Nadelton; Ton auf Schallplatte) für Warner.

Die Anfänge des Tonfilms in den USA und Europa

1926 erschien dann schließlich der Film „Don Juan“ im Vitaphone-Verfahren, zwar noch ohne Dialoge, aber mit entsprechenden Geräuscheffekten und Musikbegleitung.

Als Warner ein Jahr später den Film „Der Jazzsänger“ ausstrahlte, in dem Al Jonson die Dialoge improvisierte, war der Tonfilm nicht mehr zu stoppen. Allein der berühmte Satz „Wait a minute! Wait a minute! You ain’t heard nothin’ yet!“lockte die Massen in die Kinos. Danach waren die Filmproduzenten geradezu im „Talkie“-Fieber.

Aufgrund der Ballung von Tonfilmpatenten gestaltete sich die Sache mit dem Tonfilm in Europa etwas schwieriger, denn das 1928 gegründete Unternehmen Tobis (Abkürzung von Tonbild-Syndikat) erwarb eine Vielzahl an Patenten, unter anderem das Tri-Ergon-Verfahren, das dänische Petersen & Poulsen-Verfahren sowie einige britische und französische Patente.

Die Streitigkeiten mit der Klangfilm GmbH, gegründet von Siemens, AEG und Polyphon, beeinträchtigten die Einführung des Tonfilms in den europäischen Kinos, denn die Wettbewerber behinderten sich gegenseitig mit einstweiligen Verfügungen. Doch schon bald gaben die beiden Firmen unter dem Druck nach und unterschrieben einen Vertrag über die Zuständigkeiten, auch um der Konkurrenz aus den USA geschlossen begegnen zu können.

Nichtsdestotrotz wurden weiterhin Prozesse geführt, zum Beispiel als Siemens im Mai 1929 gegen Warner klagte, die ihren Tonfilm „Sonny Boy/ The Singing Fool“ in einem von der UFA gepachteten Berliner Kino vorführen wollten.

Der Tonfilm hatte nicht nur Vorteile: Zahlreiche Stummfilm-Musiker verloren ihren Job, genauso wie einige Schauspieler, die entweder an der Sprachbarriere oder am Klang ihrer Stimme scheiterten. Außerdem wechselten Autoren, Regisseure und Darsteller vom Broadway in die Traumfabrik. Aus diesem Grund wehrte sich vor allem Charlie Chaplin, der die Meinung vertrat, der Sprechfilm bedrohe die Kunst der Pantomime, durch die er in seinen Filmen bekannt und berühmt geworden ist. Doch schließlich gab er nach und ließ seine Figur in dem Film „Modern Times“ erstmals sprechen.

Erfolgreiche Tonfilme

Letztendlich lief am 12. März mit „Melodie der Welt“ einer der ersten längeren deutschen Tonfilme in den Kinos an. Am 22. November wurde „Dich hab ich geliebt“, der erste in Deutschland gedrehte Film mit durchgehendem Dialog, in den Kinos präsentiert. Dieser war zwar kommerziell erfolgreich, doch es hagelte Kritik. Mehr Erfolg hatten dagegen die Streifen „Melodie des Herzens“, der erste UFA-Tonfilm mit Willy Fritsch und „Die Nacht gehört uns“, welcher den Durchbruch für Hans Albers brachte.

Erst der „Pariser Tonfilmfrieden“ im Juni 1930 konnte die Streitigkeiten beseitigen, indem „Exklusivgebiete“ für die Parteien abgegrenzt wurden. Eine einheitliche Norm bezüglich der Abspielgeräte war ebenfalls Teil der Einigung.

Im Jahre 1930 erschienen Klassiker wie „Der blaue Engel“ oder „Die drei von der Tankstelle“ und schließlich setzte sich der Tonfilm 1932 endgültig in Deutschland durch.

Professionelles Audiomarketing von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

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Autor: Lisa Sendelbeck

Seit Oktober 2016 unterstütze ich das Team der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg als Produzentin im Bereich Radiowerbung, Sounddesign und Audiomarketing. Auf dem Blog der P&P Studios berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen in der Audio-Welt und präsentiere neue Entdeckungen.

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