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Was Künstler noch an ihrer Musik verdienen

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Was Künstler noch an ihrer Musik verdienenWer früher das neue Album seiner Lieblingsband kaufen wollte, ging in den Plattenladen und erwarb die Platte entweder auf Vinyl oder CD gepresst. Heute geht das noch einfacher, man muss noch nicht einmal das Haus verlassen, sondern kann sich die Songs Online über iTunes und Amazon Music kaufen oder Streamingdienste wie Spotify und Deezer hören. Wie wirkt sich das auf die Musikindustrie aus?

Zeiten ändern sich

Durch neue Technologien entstehen neue Möglichkeiten. Heutzutage bekommt man nahezu alles, was das Herz begehrt, über das Internet: Klamotten, Computer, Möbel, Kosmetik, Musik. An sich eine gute Sache, aber es zieht auch negative Folgen nach sich. Kleinere Einzelhändler erleben Einbußen, da immer mehr im Netz bestellt wird und auch Musiker machen längst nicht mehr so viel Profit wie früher.

Der Traum vom Rockstarleben und dem Plattendeal mit einem großen Label ist bei vielen Musikern immer noch vorhanden, jedoch platzt die Traum-Seifenblase ziemlich schnell, wenn man sich die Zahlen aus aktuellen Studien ansieht, die belegen, wie viel ein Künstler tatsächlich verdient, wenn er bei einem Major-Label unter Vertrag ist.

Zahlen, Daten, Fakten

Nimmt man als Beispiel ein Album, das zu einem Preis von 15,99 € verkauft wird und der Künstler-Anteil bei 4 % liegt, kommt man auf roundabout 64 Cent, bei einer Single mit einem Verkaufspreis von 5,99 € ist der Anteil noch geringer…WOW, die erste Anzahlung für den Tourbus ist also schon fix… Scherz beiseite, sagen wir es dennoch mal frei heraus:

Warum bekommen die Labels den Löwenanteil von 31 %? Und die GEMA 6 %, also mehr als der Künstler? Lediglich der Produzent und der Hersteller verdienen mit jeweils einem Prozent und drei Prozent weniger als der Musiker. Nebenbei sollte noch erwähnt werden, dass der Buchhalter der GEMA mehr verdient als das Unternehmen selbst – I see what you did there. Ist das wirklich gerechtfertigt?

Was Künstler noch an ihrer Musik verdienen

Tatsache ist, dass sich mittlerweile immer mehr Künstler über teure Konzerttickets, VIP-Karten, Meet & Greets, Merchandising oder Werbedeals über Wasser halten müssen. Manche versuchen sich auch an einer eigenen Modelinie oder einem eigenen Parfüm.

Betrachtet man die allgemeinen Umsatzerlöse von Musikverkäufen, die 2016 in Deutschland bei über 1,59 Millionen Euro liegen, fragt man sich, warum die Künstler so wenig davon haben. Weltweit waren es sogar 7,8 Millionen US-Dollar.

Weitere alarmierende Zahlen zeigen den Abschwung der Musikindustrie in den letzten Jahren: Vor rund 15 Jahren erfasste die Industrie noch Umsätze von 2,37 Milliarden Euro deutschlandweit und weltweit 2,1 Milliarden US-Dollar – ein deutlicher Unterschied.

Der digitale Musikmarkt

Durch zahlreiche Möglichkeiten, sich Musik digital zu beschaffen, entstand auch das Problem der Musikpiraterie. Die Fans waren plötzlich kaum noch bereit, für die Musik ihrer Lieblingsbands zu zahlen und zogen sich die Songs per YouTube-Converter oder mittels anderer Tricks auf ihre Rechner.

Einige Musiker wollten das verhindern und stellten ihre Musik kostenlos im Internet zur Verfügung. Als schließlich verschiedene Musik-Streamingdienste auf den Markt kamen, konnten die Raubkopien eingedämmt werden.

Die Beliebtheit der Streamingdienste in Zahlen ausgedrückt: Die Streaming-Industrie verzeichnete 2014 in Deutschland noch 108 Millionen Euro Umsatz, 2016 waren es schon 385 Millionen. Der Musikstreamingdienst Spotify hat inzwischen über 100 Millionen Nutzer, von denen knapp 40 Millionen ein gebührenpflichtiges Abonnement abgeschlossen haben.

Was Künstler noch an ihrer Musik verdienen

Besonders beliebt sind die Dienste bei Jugendlichen und Studenten, deren Budget für CD-Käufe nicht ausreicht. Die monatlichen Gebühren für die Spotify-Premiumversion von 9,99 € sind dagegen tragbar.

Man könnte also behaupten, die Künstler profitieren von den Streamingdiensten, da es dadurch keine Musikpiraterie gibt, aber stimmt das?

Die von den Wirtschaftsprüfern Ernst & Young aufgestellte Studie zeigt, dass Musiker 7 % des Gesamterlöses von Streamingdiensten bekommen, was erst einmal nach mehr klingt, als beim CD-Verkauf, aber man kommt gerade mal auf 68 Cent.

Der Musik-Streamingdienst Spotify selbst verdient 2,08 €. Die Labels bekommen erneut den Hauptanteil von 4,65 €, 1,67 € werden für Steuern fällig und der Rest geht an die Songwriter und Produzenten.

Was Künstler noch an ihrer Musik verdienen

Um auf einen Verdienst von 100,- € zu kommen, müssten sich also exakt 23.905 Personen den Track eines Musikers anhören. Aus diesem Grund haben Künstler wie Adele oder Thom Yorke von Radiohead ihre Alben aus Protest nicht auf Spotify veröffentlicht.

Aber nicht nur Spotify muss sich mit dieser Kritik konfrontiert sehen, auch Apple Music hat mit der drei Monate langen kostenlosen Probezeit den Unmut von Taylor Swift auf sich gezogen, die ihr Album weder auf Spotify noch Apple Music zum Streamen zur Verfügung stellte.

Do it yourself

Keiner behauptet hier, dass die Plattenlabel Geld fürs Nichtstun bekommen, denn sie gehen in Vorkasse und finanzieren die Künstler über Plattenverträge, kümmern sich um die Vervielfältigung der Aufnahmen und übernehmen Marketing, Werbung und Promotion.

Auch die Musikproduzenten leisten ihren Anteil an den Produktionen, denn sie stellen den Musikern die notwendige professionelle Tonstudiotechnik bereit. Nicht zu vergessen, dass sie ebenfalls Ausgaben für Presswerke und Grafikdienstleister haben sowie Vergütung für freie Mitarbeiter und Sachkosten einkalkulieren müssen.

Professor Hubert Wandjo, Leiter des Bereichs Musik- und Kreativwirtschaft an der Popakademie Mannheim vertritt jedoch die Meinung: Um von einem Plattenvertrag mit einem Major-Label wirklich profitieren zu können, benötigen eine Band oder ein Solo-Künstler eine bereits existierende Fanbase.

Deshalb empfiehlt sich für noch unbekannte, aufstrebende Künstler, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und ein eigenes Label zu gründen. Der Deutsch-Rapper Kollegah und die Sängerin Alice Merton machten es bereits vor. Die harte Arbeit, die erstmal mit der Selbstvermarktung einhergeht, zahlt sich aber aus, denn: Am Ende bleibt ein größeres Stück vom Kuchen für den Musiker, nicht für das Label.

Professionelle Audio-Produkte von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

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Autor: Lisa Sendelbeck

Seit Oktober 2016 unterstütze ich das Team der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg als Produzentin im Bereich Radiowerbung, Sounddesign und Audiomarketing. Auf dem Blog der P&P Studios berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen in der Audio-Welt und präsentiere neue Entdeckungen.

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