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Vinyl, meine Reise in die Vergangenheit Part 1: Gut Ding will Weile haben

Vinyl, meine Reise in die Vergangenheit Part 1: Gut Ding will Weile haben Ende des 16. Jahrhunderts wollte Giovanni Battista della Porta bereits Sprache „konservieren“. Seitdem hat sich vieles in der Welt der Audiospeicherung getan, eine tiefschwarze Scheibe hat dabei einen ganz besonderen Stellenwert inne. Eine Reise in die Vergangenheit der Schallplatte, mit „Endhaltestelle“ Zukunft! Zwischen Giovanni Battista della Porta und der Realisierung der ersten wirklichen Schallplatte vergingen Pi mal Daumen 300 Jahre. In dieser Zeit passierte zwar in Sachen Audio auch einiges, soll hier jedoch nicht weiter behandelt werden. Wir steigen ein am Ende des 19. Jahrhunderts als das erste Mal der Begriff der Schallplatte fällt.

A long time ago…

Emil Berliner, ein gebürtiger Deutscher, versuchte sich in den USA daran, Töne aufzuzeichnen – mit Erfolg! Er entwickelte Schallplatte und Grammophon. Nach der Patentierung im Jahre 1887 erfolgte die Veröffentlichung ein Jahr darauf.

Von Vinyl ist hier noch keine Rede, diese Platten bestanden aus Zink bzw. Kupfer und waren Unikate. Die älteste noch bestehende Schallplatte wurde am 25.10.1887 von Berliner selbst erstellt.  Von Massenproduktion und Vertrieb sind wir hier  aber noch weit entfernt …

Neuer (Schel)lack für die Platte

In den folgenden Jahren wurde die Entwicklung der Schallplatte weiter vorangetrieben. Der nächste Meilenstein der heutigen Legende liegt wohl im Jahre 1896. Im Oktober dieses Jahres hatte Emil Berliner genug von Hartgummi und wechselte zu Schellack.

Ein wichtiger Schritt wurde hiermit getan: Die Pressung auf Schellack verbesserte eindeutig Klangqualität  und Haltbarkeit der Platten. Ideal war die Technik dennoch nicht. Schellack wird vergleichsweise schnell spröde und ist anfällig für Brüche. Von nun an würde Schellack jedoch die Industrie rund um die in Rillen gepressten Töne dominieren und vorantreiben. Die große Maschinerie der Schallplattenindustrie nahm langsam Fahrt auf ….

Der Markt wächst

Im Jahr 1900 wurde aus dem Nischenprodukt „Schallplatte“ ein ernst zu nehmender, eigenständiger Industriezweig. Der vergleichsweise schlechte Patentschutz ermöglichte vielen Unternehmern die Produktion eigener Platten und Abspielgeräte.

Wo ein Markt ist, lässt in den meisten Fällen auch der Wettbewerb und Konkurrenzdruck nicht lange auf sich warten. In den Zentren der Plattenkultur, Paris, London Berlin, Hannover und Wien wurden verschiedenste Abspielsysteme entwickelt und vertrieben. Diese waren jedoch in den seltensten Fällen untereinander kompatibel.

Das Hin und Her der verschiedenen Techniken brachte einen vorläufigen Sieger hervor: Die Schellack-Platte mit 78 rpm (sprich 78 Umdrehungen in einem Zeitraum von 60 Sekunden) machte das Rennen und sollte für einen längeren Zeitraum unangefochten den Platz auf den Grammophonen des 20. Jahrhunderts einnehmen.

Der 1. Weltkrieg wirft seinen Schatten

Bis 1914 entwickelte sich die Schellack-Platte zum Verkaufsschlager und wurde auch für die Unterschicht erschwinglich. Der in diesem Jahr einsetzende 1. Weltkrieg erschütterte jedoch auch die Schallplattenproduktion enorm. Hauptgrund hierfür war der Kollaps des internationalen Handels. Schellack wurde zur Mangelware.

Der Schock saß tief und die Industrie erholte sich nur im Schneckentempo. Auch die zunehmende Verbreitung von Rundfunksendern, sowie die Wirtschaftskrisen der „goldenen 20er Jahre“ setzten der Tonkonserve sichtlich zu.

Dennoch zogen wieder Neuerungen ins Land der schwarzen Scheibe: Die elektrische Aufnahme löste die mechanische ab und setzte neue Maßstäbe in der Klangqualität. Das sogenannte Lichttonverfahren ermöglichte erstmalig das Cutten und Nachbearbeiten von Aufnahmen. Gegen Ende der 20er Jahre war der nächste Peak erreicht und der Handel mit Schallplatten und deren Abspielgeräten boomte.

Vom Regen in die Traufe

Das Jahr 1933 gilt als eines der Dunkelsten der Menschheitsgeschichte. Die jüdische Bevölkerung litt zunehmend an Repressionen durch die Nazi-Diktatur. Die Schallplattenindustrie war auch hier stark betroffen. Jüdische Unternehmer wurden enteignet oder ihre Firmen komplett geschlossen.

Künstler wurden diskriminiert und unterdrückt, der Import ausländischer Platten und somit die musikalische Vielfalt gingen fast komplett verloren. Ausländische Künstler wurden durch deutsche Firmen zwar auch bekannt, die Auswahl beschränkte sich jedoch deutlich auf die von der Diktatur als „artig“ angesehene Kunst. Gegen 1943 kam es zum totalen Stillstand der Industrie. Erst zu Kriegsende 1945 war der Weg wieder frei um weiter zu produzieren.

Aus Schellack wird Vinyl

Bis 1958 wurde in der BRD, bzw. 1961 in der DDR , auf Schellack produziert. Das Geschäft mit den Platten lief gut, nicht zuletzt durch den neu entstandenen Bedarf an Jazz und Swing.

Vinyl war jetzt auf dem Vormarsch.In den vorangegangenen Jahrzehnten war mit der PVC-Platte bereits experimentiert worden, für den Massenmarkt hatte man jedoch keine adäquate Lösung gefunden. Dies sollte sich nun ändern und den Kult um die PVC-Klangscheibe manifestieren. Ein neues Zeitalter war angebrochen…

Vorläufige Endstation Vinyl

Die nächsten Jahre bedeuteten eine wahre Höhenfahrt der schwarzen Platte: Presswerke, Interpreten, Labels, Plattenläden, alles in diesen Kosmos wuchs und wuchs. Ein Ende war nicht in Sicht. Die Schallplatte schien für lange Zeit das Non plus ultra der Klangwelt zu sein.

Nächste Woche berichte ich dann ausführlich über den „Rise and Fall (and Rise)“ der Plattenindustrie.

Professionelle Audio-Produkte von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

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Autor: P&P Marketing-Assistenz

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