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„Mach ma wärmer“: Analog klingt doch viel besser!

"Mach ma wärmer": Analog klingt doch viel besser!So, vorher ging’s um laut, jetzt um warm? Hallo erstmal und willkommen im unendlichen Diskussionsfeld Analog gegen Digital. Schon relativ früh entbrannten hier die Glaubenskriege: Analog-Verfechter finden den digitalen Sound steril, kalt, unecht, unangenehm, während Analog als „war und echt“ galt. Wie alles begann und mehr, habe ich für Sie mal aus eigener Erfahrung beleuchtet.

Wie alles begann

Wir denken da ganz einfach mal zurück an die „echt“ analogen Zeiten, sprich Aufnahmen auf Magnetband im Studio oder Zuhause auf Kassette (ja, das gab’s wirklich!). Nach dem Mix der Songs auf einem großen, analogen Mischpult landeten die Studio-Aufnahmen auf Platte, also Vinyl. Ebenfalls ein analoges Medium.

Später dann hielt die CD als erstes digitales Endmedium Einzug in unsere Audiowelt. Vor allem die Klassikproduzenten waren hellauf begeistert vom Beginn des digitalen Zeitalters, da digital nicht rauschte.

Nicht allzu lange nach der „Erfindung“ der Compact Disc kamen die ersten digitalen Mehrspurmaschinen und dann natürlich die computerbasierten DAWs auf den Markt. DAW heißt: Digital Audio Workstation. Klingt auf Englisch eher putzig: „dooH“!

Gegnerische Lager

Schon relativ früh entbrannten die Glaubenskriege. Die Verfechter der analogen Aufnahmewelt betrachteten den Sound der digitalen Recordingwelt als untragbar. Da tauchten immer wieder Behauptungen auf wie: Digital klinge „steril, kalt, unecht, unangenehm“, Analog dagegen „warm und echt“.

Interessant ist in diesem Zusammenhang wieder Mal, dass nur weil sich Dinge oder Arbeitsweisen ändern, es sofort heißt, dass es vorher viel besser war, ohne sich überhaupt mit dem Neuen zu beschäftigen. So hatten wir schon in der analogen Zeit genau die gleichen hitzigen Debatten.

Etwa beim Wechsel von Mono zu Stereo, beim Aufkommen der ersten Mehrspurmaschinen oder beim Erscheinen der ersten großen Analogmischpulte mit Automation etc…

Paradox ist, dass viele der Sachen, die früher als untragbar galten, heute als der heilige Gral betrachtet werden. Ein gutes Beispiel sind hier die großen Mischpulte einer englischen Firma, über die damalige, „wahre“ Tonmeister sagten: „Auf so einem Ding kann man nicht mischen“.

Heute kriegt jeder junge Tonmeister große Augen wenn er davorsteht: Schließlich wurden doch unzählige Nummer-Eins-Hits auf so einem Teil gemischt.

Und wer hat nun Recht?

So und was stimmt jetzt? Meiner Meinung stellt sich die ganze Kiste so dar: Die Analogtechnik beinhaltete in erster Linie eine zwingende Arbeitsweise, neudeutsch Workflow genannt: Man musste vorher genau wissen, was man wie aufnimmt, da man nicht die schier unendlichen Bearbeitungsmöglichkeiten der digitalen Technik hatte.

Das heißt, damit die Musiker im Studio auch alles wirklich amtlich spielen konnten, musste das Arrangement klar und auch gut sein. Außerdem hatte man natürlich nur begrenzte Spuren zur Verfügung.

Man wurde also dazu gezwungen, sich vor dem Drücken der Recordtaste Gedanken über das was man aufnimmt zu machen. Die inhaltlichen Auswirkungen dadurch waren enorm.

Bei der DAW kann man so viel Spuren verwenden, wie man will, solange der Rechner mitkommt. Außerdem kann man sich aus vielen Spuren das passende zusammenstöpseln und wenn nötig auch „hinbiegen“. Muss man natürlich nicht.

Manche Bands spielen wie früher alles zusammen ein. Viele sagen, das würde man hören und spüren. Es passiert halt was zwischen den Musikern!

Natürlich haben so eine Bandmaschine und auch ein Mischpult gewisse klangliche Eigenschaften, die einfach passieren, ob man will oder nicht. Das hat die Tonmeister auch sehr oft genervt.

Die DAW macht naturgemäß erstmal Garnichts. Der muss man alles sagen. Das heißt dann „Programmieren“. Das klappt mittlerweile sehr gut. Man kann also auch im Rechner einen Sound basteln, der ähnlich oder gleich ist wie die “alten“ Scheiben. Wenn man es drauf anlegt und auch kann.

Die digitale Krux

Die Frage ist hier nur, will der Künstler oder die Plattenfirma das? Jeder Geschmack ändert sich mit der Zeit. Wir haben heute eine deutlich andere zeitgenössische Soundästhetik (klingt klasse, oder?).

Also schauen wir nicht zurück, sondern nach vorn – warm können wir’s uns überall machen, analog oder digital. Was wir brauchen ist gute Musik!

In diesem Sinne und bis bald!

Professionelles Sounddesign von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

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Autor: Bernhard Kreuzer

Bernhard "Al" Kreuzer ist seit 1991 bei der P&P Studios Audio-Agentur als Tonmeister tätig und gehört somit zu den "Altmeistern". Seit über 30 Jahren führt er Musikaufnahmen und Bearbeitungen durch - von der analogen Mehrspurtechnik bis zur heutigen Digitaltechnik. Neben seiner Tätigkeit als Live- und Studiomusiker als Gitarrist und Sänger, ist er auch als Kabarettist und Darsteller mit den Bavarian Giants unterwegs. Durch seine lange Erfahrung besitzt er unvergleichliche Kompetenz im Bereich Funkspotproduktion und bei Musikaufnahmen im Studio sowie mobil.

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