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Ahoi – Die Geschichte der Piratenradiosender

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Ahoi - Die Geschichte der PiratenradiosenderEin Piraten- oder Seesender ist ein Rundfunksender, meist Hörfunk, der sein Programm ohne Lizenz innerhalb eines Staatsgebietes als Schwarzsender ausstrahlt. Diese Radiosender-Stationen waren, wie der Name schon vermuten lässt, oft auf hoher See auf Schiffen beheimatet. Aus diesem Grund nannte man sie auch „Offshoreradios“. Weltweit gab es mehr als 100 Piratensender und manche von ihnen existieren heute noch, allerdings legal und an Land.

Die Anfänge der Piratenradiosender

Die ersten Piratenradiosender entwickelten sich in Mexiko, an der Grenze zu den USA, in den 1920er Jahren, wurden allerdings noch nicht als solche bezeichnet. In den Vereinigten Staaten ging die Tendenz zu einer kommerziellen, auf Werbung ausgerichteten Radiokultur hervor, die die Geschmäcker der Masse zufrieden stellte.

Diese wurde jedoch für den Verkauf fragwürdiger Produkte, politische Propaganda und andere Verstöße missbraucht, sodass die Lizenzen mancher Anbieter nicht verlängert wurden und sie auf leistungsstarke Sender an der Grenze zu Mexiko auswichen.

Die klassischen Piratensender jedoch entstanden erst ein wenig später in den 1960er Jahren, vorwiegend in Großbritannien. In England hatte die British Broadcasting Company die Alleinstellung im Markt. Der Begriff „Massenkultur“, anders als der Begriff „Hochkultur“, war damals ein negativ konnotiertes Wort für die BBC, weshalb der seit den 1950er Jahren aufkommende Rock ’n’ Roll in Großbritannien beinahe nur auf dem in Luxemburg lizenzierten Privatsender Radio Luxemburg und dem US-amerikanischen Soldatensender AFN gespielt wurde.

Der erste europäische Piratenradiosender war „Radio Mercur“, der von einem alten deutschen Fischereischiff vor Dänemark ausstrahlte. Es folgten der Radiosender „Radio Veronica“, der vor der niederländischen Küste aus sendete und „Radio Nord“ vor Stockholm.

Die Hochphase der Piratenradios

Die bekanntesten Piratenradiosender waren Radio Caroline und Wonderful Radio London, auch „Big L.“ genannt, die 1964 in den UK anfingen zu senden. Die Radiostationen waren ebenfalls auf Schiffen aufgebaut, die sich außerhalb der britischen Hoheitsgewässer befanden. Die Piratenradiosender bezogen aber nicht nur auf hoher See ihre Quartiere, auch verlassene Forts an der Themsemündung dienten als Sendeort, zum Beispiel Shivering Sands für Radio City.

Die populäre, moderne Musik, die flippig sprechenden Moderatoren, eingeblendeten Jingles und Nachrichten, hin und wieder unterbrochen von Werbeeinblendungen, sprach eine überwiegend junge Zielgruppe an. Die sogenannten Transistorradios ermöglichten das ortsungebundene Empfangen der Radiosender.

Im Großen und Ganzen erreichten die Discjockeys der Piratenradiosender einen gewissen Prominenten-Status und Bekanntheitsgrad, darunter beispielsweise Kenny Everett, Tony Blackburn, John Peel, Tommy Vance, Johnnie Walker und Dave Lee Travis. Auf den Schiffen wurden oft ausschweifende Partys getreu dem Motto „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ mit Besuch vom Festland gefeiert. Als die Djs von Radio Caroline nach ihrer Festnahme das Festland betraten, konnten sie sich vor kreischenden Teenager-Mädchen kaum noch retten.

Die verschiedenen „Piraten-Arten“

Unter den Piratenradiosendern gibt es die unterschiedlichsten Gruppen. Zum einen gibt es den „Politpiraten“, der hauptsächlich seine politischen Ansichten unter die Leute bringen will.

Außerdem gibt es noch den kommerziellen Piratensender, der primär Musikprogramme, Werbung aber auch Wortbeiträge sendet.

Der „Amateur“-Piratensender war und ist weit verbreitet. Den Betreibern geht es nicht um den Content, sondern „um des Sendens Willen“. Es dreht sich vielmehr alles um die Erhebung von Empfangsberichten, Leiten von Funkgesprächen, Senden von QLS-Karten usw.

Auch beim Sendebetrieb mit geringer Leistung ist eine relativ große Reichweite möglich. Ein Amateur-Piratensender ist gewissermaßen wie ein autorisierter Funkamateur, nur dass er ohne Lizenz in Rundfunkbändern sendet.

Um 1970, 1980 rum konnten sogar Sende-Reichweiten von bis zu 100 km erreicht werden, sodass eine Art „Sport“ zwischen den Funkamateuren entstand, QSOs miteinander zu führen. Ende der 80er Jahre war dies jedoch nicht mehr möglich, da auf dem UKW-Band keine freien Frequenzen vorhanden waren. Also zogen die Funkamateur-Piraten ins 60 cm UHF-Band um, was auch den Vorteil hatte, dass die UKW-Hörer nicht mehr durch die Funkamateur-Sendungen gestört wurden.

Die „Musikpiraten“ kommen auch heute noch am häufigsten vor. Das Programm ist größtenteils mit alternativer Nonstop-Musik gestaltet und wird nur hin und wieder von Ansagen, die nur der Stationskennung, dem Durchsagen von Telefonnummer und Grüßen sowie Musikwünschen dienen, unterbrochen.

In der Vergangenheit waren diese Sender auf allen Bändern zu finden, heute sind sie nur noch auf den UKW- und teilweise KW-Frequenzen vertreten. Das Ziel der Musikpiratensender ist es, Musik zu senden, die weitgehend unbekannt ist und nicht auf den gängigen „Mainstream“-Radiosendern gespielt wird. Auch hier geht es um des Sendens Willen und auch den Nervenkitzel, erwischt zu werden sowie die Ungewissheit, wie viele Menschen gerade zuhören.

Die berühmtesten Piratenradiosender

Es gab mehr als 100 Piratensender weltweit, doch davon hoben sich einige mehr hervor als andere und erlangten einen großen Bekanntheitsgrad. Darunter war, wie bereits erwähnt, Radio Caroline, das erste Privatradio in Großbritannien, das eine bedeutende Rolle bezüglich der Entwicklung der Popmusik in den 1960er Jahren einnahm.

Gegründet wurde Radio Caroline 1964 von dem irischen Musikproduzenten Ronan O’Rahilly. Der Piratensender überstand mehrere Abschaltungen und Unterbrechungen und sendete bis 1990 vom Meer aus. Heute sendet Radio Caroline 24 Stunden über das DAB und Internet.

Der Piratensender Radio Veronica wurde am 15. Oktober 1959 in Amsterdam von einer Gruppe niederländischer Radiohändler ins Leben gerufen. Aufgrund der Gesetzeslage, die hörerbegleitende und werbefinanzierte Rundfunkprogramme verbot, musste der Betrieb außerhalb der Hoheitsgebiete geschehen.

Neben Radio Caroline war Wonderful Radio London ein namenhafter Piratensender, der Mitte der 1960er Jahre im Vereinigten Königreich zum Image der „Swinging Sixties“ beisteuerte.

Radio Nordsee International, gegründet von den Schweizern Erwin Meister und Edwin Bollier, war ein bekannter Piratenradiosender, der Anfang der 1970er Jahre von einem Schiff in der Nordsee aus sendete.

Radio Nord, der zweite kommerzielle Hörfunksender Schwedens, wurde vom 8. März 1961 bis zum 20. Juni der finnisch-schwedische Produzent Jack S. Kotschak betrieben. Leider mussten die Sendungen eingestellt werden, nachdem das „Piratradiolagen“ – ein Gesetz gegen unlizensierte Stationen – durch den schwedischen Reichstag in Kraft trat. Auch in Dänemark, Norwegen und in den Niederlanden existieren Radiosender mit dem Namen „Radio Nord“.

Auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl an Piratenradiosendern, doch keiner gelangte zu so großer Berühmtheit wie Radio Caroline und Co. Am vorherrschendsten sind die Piratenradiosender heutzutage noch in den Niederlanden, da auf ihnen Schlager gespielt werden, die nicht auf den Mainstream-Radiosender gesendet werden.

Die niederländische Jugend unterscheidet sich, was Schlager betrifft, zum Beispiel stark von den deutschen Jugendlichen, denn in den Niederlanden gilt es absolut nicht als „uncool“, Schlager zu mögen.

Die meisten Piratenradiosender sind mittlerweile entweder eingestellt oder lizensiert worden und aufs Festland umgezogen.

Professionelle Audio-Produkte von der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg

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Autor: Lisa Emmerich

Seit Oktober 2016 unterstütze ich das Team der P&P Studios Audio-Agentur in Regensburg als Produzentin im Bereich Radiowerbung, Sounddesign und Audiomarketing. Auf dem Blog der P&P Studios berichte ich über meine persönlichen Erfahrungen in der Audio-Welt und präsentiere neue Entdeckungen.

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